Von Eseln und Stachelrochen

Antigua & Barbuda – Kapitel 1: Antigua (der Süden und an Land unterwegs)

Wir waren einfach zu schnell. Als wir nach knapp 20h Segeln seit Dominica vor der Küste Antiguas ankommen ist es noch zappen duster. Das Abenteuer des Reinfahrens nach English Harbour bei Dunkelheit wollten wir uns sparen. Insbesondere, da wir wussten, dass die für uns relevante (Quarantäne) Ankerbucht rappelvoll ist. Also erst mal noch ein paar Stunden beidrehen und dann den betonnten Einfahrtskanal ansteuern. Glücklicherweise werden wir gleich von einer befreundeten Crew angefunkt, die uns mitteilt wo schon früh morgens zwei Boote abgefahren sind und Platz gemacht haben. Leider ist der Ankergrund dort nicht gut. Auch das zum Anker Tauchen, ihn manuell Hochheben und die 33kg mit der Spitze voran in den Boden Rammen bringt nix, der Meeresboden war einfach wie Beton. Glücklicherweise kommt Doc Sam von Port Health nach nur einer Stunde vorbei um uns unsere Gesundheit zu bescheinigen. Der Typ ist so gut, dass er selbst vom Port Authority Speedboat aus erkennt, dass wir kein Corona haben. Naja, solange die Formulare alle ausgefüllt sind, scheinen die Antiguaner (nein, sie heißen nicht Antiguanesen) recht easy zu sein. Freut uns, denn nach Kurzbesuch bei Zoll, Grenzbeamten, dann wieder Zoll und noch Port Authority – naja, so kurz war es dann doch nicht – sind auch die Formalitäten für die Einreise in „Antigua & Barbuda“, wie der kleine Zweiinselstaat offiziell heißt, erledigt und wir können wieder Anker Auf gehen. Immerhin war das Anker ‚ausbrechen‘ überraschenderweise sofort von Erfolg gekrönt :-). Es verschlägt uns einfach in die Nachbarbucht, Falmouth Bay, denn dort hält der Anker (zu gut, wie wir später feststellen sollten).

V. u. n. o.: Freeman’s Bay, die Quarantäne Ankerbucht, English Harbour mit Nelson’s Dockyard (rechts der Bildmitte), Falmouth Bay (die beiden Buchten sind nicht per Wasser verbunden) – von Shirley Heights aus

Das Ankommen in Antigua ist für uns ein Kulturschock. Nach einem Monat in Dominica, ein Land das keine einzige Marina hat und auch sonst kaum Infrastruktur, kommen wir im Mega- und Superyacht Mekka der Ostkaribik an. Diese Yachten sind obszön große Monstren, deren Tender sind teilweise größer als unsere Yacht – und manche haben tatsächlich Kielyachten als Tender auf der Seite hängen. Normalerweise wäre um diese Jahreszeit ein Yachtweek- oder Regatta-Event nach dem anderen, mit entsprechend vielen Besuchern im Land. Das fällt dieses Jahr wegen Corona aus. Man merkt aber trotzdem: hier ist normalerweise richtig was los.

Hier treffen wir auch wieder auf viele befreundete Crews anderer Segelboote, weswegen wir in den ersten Tagen auch viel Zeit mit Wiedersehen und gegenseitigem G’schichtl drucken verbringen. Man hat ja vieles Aufzuholen seit der letzten relevanten Begegnung, meist auf St Lucia im Dezember.

In Folge wird Antigua für uns auch sowas wie ein Boxenstopp. Da wir uns mittlerweile fix dazu entschlossen haben, im Sommer nicht nach Europa zurück zu segeln, sondern jedenfalls ein weiteres Jahr Segeln dranzuhängen, nutzen wir die lokale Yacht Infrastruktur um Ibex aufzurüsten, das Ersatzteillager zu erweitern, Verbrauchsteile nachzurüsten, aber auch um die anstehende Motorwartung (Ölwechsel, Filtertausch, neuer Impeller, etc.) durchzuführen und uns unserer erste Covid Impfung stechen zu lassen. Für die Upgrades müssen wir in eine mini-Marina. Strikt nach Murphys Law gibt in dem Moment der Ankerwindenmotor den Geist auf. Also wieder mal 40m Kette manuell Hand-über-Hand an Deck hieven, dabei hing die Kette eh nur zwei mal unter Felsen fest und der Anker selbst dann eben auch noch. Schon recht fertig in der Marina angekommen, wachelt der Marinero uns in Richtung eines Liegeplatzes, den wir wirklich nicht wollen. Dazu muss man wissen: wir waren vorab extra per Dinghy in der Marina um genau mit diesem Marinero zu klären wo wir anlegen, damit die folgenden Arbeiten sinnvoll durchzuführen sind. Und weil bei sowas ja immer mehrere Sachen zusammen kommen, ist dort der Manövrierraum zwischen Steg und untiefem Wasser sehr begrenzt. So werden wir dann auch – ohne Fahrt, aber vom wachelnden Marinero kurz abgelenkt – auf Grund getrieben. Ist auf Sand ja nicht schlimm, hätten wir uns aber gerne gespart. Immerhin haben wir ja schon mit anderen Booten Erfahrung im auf Grund laufen, dieses Mal ging es aber nicht ohne fremder Hilfe ab. Die Sache war aber mit einem lokalen Fischer schnell gelöst, und das römisch katholische Anlegen an dem ursprgl. vereinbarten Ort (der Marinero ging zwischenzeitlich in Feierabend!) dann inklusive manuellem Ankerablassen auch kein Problem. Fotos gibt es zu der Aktion keine, wir waren anderweitig beschäftigt, insofern ein Symbolfoto von Falmouth Bay, das an angenehmere Zeiten erinnert:

Trotz Allem brechen wir auch auf, um die Insel unsicher zu machen. Was bereits in Dominica erfolgreich funktionierte, haben wir hier einfach fortgesetzt. Gemeinsam mit unseren, manche würden sagen „Surrogate Parents“, oder auch einfach nur „Siblings in Crime“, Janet und Kevin von der SY Weyve, ging es nach dem Abenteuer Covid Impfung, gleich mal zur Devils Bridge. Tatsächlich eine Brücke in einer kleinen Felsbucht, über Meereswasser, das dahinter auch ordentlich in die Höhe schießt. Die besuchte ehemalige Zuckermühle am Heimweg fällt eher unter Industrieruine, als irgendetwas was man sinnvollerweise besucht.

Mega cool ist das Schwimmen mit den Stingrays (Stachelrochen). In gerade mal hüfthohem Wasser in der Mitte einer von Riffen geschützten großen Bucht, nur per Flachbodenboot erreichbar, lassen sich die wild lebenden majestätischen Viecher nicht nur beobachten, sondern auch füttern. Wichtig dabei, wenn man den kleinen Tintenfisch in die Faust nimmt, den Daumen einzuklappen, sonst wird der gleich samt dem Tintenfisch vom Stingray eingesaugt.

Diese Mal finden wir auch die relevante alte Zuckermühle und Rumdestillerie, bei der es noch ein bissl was zu sehen gibt. Eine der zwei Windmühlen wurde soweit restauriert, dass sie von Zeit zu Zeit sogar in Betrieb genommen wird. Ist ein bissl wie die Ausfahrt der Dampflok im Heizhaus Strasshof.

Am Heimweg schauen wir noch kurz in der Donkey Sanctuary vorbei. Auch eine Eigenheit der Insel hier: ursprünglich wurden die Esel für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen auf die Insel gebracht. Nachdem sie irgendwann nicht mehr gebraucht wurden, hat man sie einfach ausgewildert. Es gibt also aktuell noch „wilde“ Esel auf der Insel. Das freut die heutigen Bauern aber nicht so sehr, wenn diese ihre Feldern bei der Futtersuche umgraben. Die allzu störenden Esel werden dann von den Bauern in den Esel-Shelter für einen netten Lebensabend gebracht. Das NGO, von einem Ehepaar geführt, arbeitet rein auf spenden Basis.

Direkt in der Umgebung von Falmouth Bay erklimmen wir Shirely Heights mit coolem Ausblick auf English Harbour sowie Falmouth Bay und weite Teile von Antigua, besuchen Nelson’s Dockyard, das einzige noch aktive Georgian Dockyard der Welt, inkl. kleinem Dockyard Museum (wobei, das beste sind die Burger in der Dockyard Bakery!) und wandern auf Monks Hill, sozusagen, das Shirley Heights der anderen Seite der Doppel-Bucht Falmouth & English.

Ein weiterer Inselfahrt führte uns auf Mt Obama, der heißt in der Tat nach dem ehemaligen US Präsidenten, auch wenn nicht herauszufinden war warum das so ist. Die Tour ist zum Nachahmen nicht empfohlen, denn auch wenn Google meint, dass man da mit dem Auto rauffahren kann, dann ist das eher nur für die sehr gut geländegängigen Jeeps der Fall. Für uns hieß es Auto irgendwann abstellen und den Rest zu Fuß rauf zu gehen, um dann festzustellen, dass der Ausblick theoretisch top ist, in der Praxis aber von viel Flora verdeckt wird. Nach etwas Suchen und rumklettern haben wir dann doch einen coolen Spot mit Aussicht gefunden. Ein paar Strände am Weg haben wir zum zwischenzeitlichen Chillen genutzt. Einmalig war das Lunch Erlebnis am Darkwood Beach. Zu der Zeit waren Restaurants auf Antigua noch wg Corona geschlossen, es war nur take-away erlaubt. Der Wirt hat uns kurzerhand einen Tisch von der Terrasse vor die Terrasse auf den Strand gestellt, somit waren wir take away Kunden. Einzig, das Essen durfte er nur in take-away ‚Geschirr‘ servieren, zum Tisch hat er es trotzdem gebracht.

St John’s ist die Hauptstadt von Antigua & Barbuda, zu normalen Zeiten von Kreuzfahrt Touristen durchströmt, aktuell im Besitz der Einheimischen. Der Markt am Samstag ist ein Erlebnis, dass sich nicht in Fotos packen lässt. Das lokale Museum erzählt die Geschichte der beiden Inseln Antigua und Barbuda.

Nachdem wir erst mal mit der Zivilisation fertig sind, segeln wir (auch mit repariertem Ankerwindenmotor ;-)) los in Richtung Green Island und in die Nonsuch Bay. Man ankert dort mit Gesicht zum offenen Atlantik, aber Wellen-mäßig geschützt durch ein Riff unter Wasser. Ein paar mal Schnorcheln, das Ankerleben abseits der Superachten genießen, und weiter gehts nach Barbuda, aber das ist ein anderes Kapitel.