Von Muskatnüssen und Lederschildkröten

Grenada

Auch wenn wir mittlerweile bereits seit ein paar Tagen in unserer Wahlheimat in Oberbayern zurück sind, darf das letzte Reisekapitel zur Saison 2020/2021 nicht fehlen. Nach einem kurzen Segeltag von Union Island kommend fahren wir an Sandy Island vorbei, einer der meistfotografierten Flecken Sand in der Karibik und biegen in die Tyrell Bay auf Carriacou in die Quarantäne Bucht zum Ankern ein.

Sandy Island

Die Einreiseformalitäten sind hier ähnlich wie zuletzt, nur dass die Quarantäne Anchorage hier eher voll ist. Insofern „parken“ wir auch knapp vor einem großen Katamaran und sind dann noch verblüfft als sich ein noch größerer direkt vor uns hinstellt, obwohl da die Quarantäne Zone bereits aufhört. Wie auch immer, es kommt wie es kommen musste, die 62ft lange Lagoon vor uns fängt mit ihrem Propeller unsere Ankerboje ein und reißt den Anker heraus, wir driften schön langsam in Richtung den Kats hinter uns und endlich gibt es mal was zu tun trotz Quarantäne. Per Funk alle gewarnt, zum Anker getaucht um in den wieder so hinzulegen, dass er sich auch eingrabt (macht er normalerweise auch so, aber nicht wenn er nach oben rausgezogen wurde und sich mit verhakten Ankerwirbel wieder verkehrt hingelegt hat) und neu in den Anker reingefahren. Immerhin wurde die Aktion mit einem Essen belohnt, bezahlt von der Proficrew der Lagoon, natürlich erst nachdem wir alle aus der Quarantäne raus waren. Die Lagoon kann man übrigens samt Crew chartern, kostet grob USD 35.000,- pro Woche.

Wir bleiben nur wenige Tage auf Carriacou, tingeln per Mietwagen für einen Tag über die Inseln. Das inkludiert eine Wanderung zum North Peak, „follow the red turtle“, ein Besuch im hiesigen Beverly Hills sowie beim Friedhof, der ins Wasser gleitet. Wirkt in der Tat etwas düster, wenn man so das eine oder andere Grab in der Brandung sieht. Noch schnell ein Tauchgang bei Sister Rocks und schon geht es weiter.

Wir segeln weiter nach Grenada, konkret direkt nach Clarke’s Court Bay, in der auch die Marina und das Boatyard ist, in der wir später Ibex für die Hurrikan Saison an Land parken werden. Wir treffen wieder unsere Freunde der Weyve und es geht gleich mal zum hiesigen Open Stage event. Grenada hat zum einen eine sehr lebendige Seglerszene, da hier viele für die Hurrikan Saison bleiben oder ihr Schiff lassen um für ein paar Wochen heimzu fliegen. Und zum andere auch eine große Expat Szene, von Leuten, die hier her ausgewandert oder auch einfach nur hängen geblieben sind. Wir sind also wieder mehr in bevölkerungsreicher Zivilisation angekommen und müssen uns entsprechend auch erst daran gewöhnen. Dafür gibt es neben Open Stage und Sing Along, Hash House Harriers, Regatten, Public Viewing der EM, etc. etc.

Wie für eine vulkanische Insel üblich gibt es auch hier Wasserfälle ohne Ende zu erkunden, da beschränken wir uns auf 1-2, sowie drei größere Süßwasserseen, von denen wir einen zu Fuß umrunden. Von Welcome Rock gibt es einen top Ausblick auf den Nordost Zipfel der Insel, auf Grande Anse lässt sich gut dem Strandchillen frönen.

Am Belmont Estate begutachten wir die Hülle und Fülle an Früchten und Gemüsen, die auf Grenada wachsen und angebaut werden. Wobei die Muskatnuß die vordergründigste Vertreterin ist, sie hat es immerhin auch auf die Nationalflagge geschafft. Und weil das Estate auch Kakao anbaut hat es natürlich auch eine kleine Schokoladenfabrik dabei.

Als echtes Highlight zum Ende unserer Reisesaison fahren wir spät Abends zum Levara Beach. Es ist einer der drei größten Brutstätten von Lederschildkröten in der Karibik, und man kann denen nächstens beim Nestbau und Eierlegen zuschauen. Ein mehrstündiges gewaltiges Naturschauspiel. Um tatsächlich auch etwas zu Gesicht zu bekommen und nichts falsch zu machen, geht man dort mit der hiesigen Gesellschaft, die sich dem Schutz dieser Tiere verschrieben hat hin. Wir bekommen ein über 2m langes und grob 300kg schweres Tier zu sehen, das mit seinen Heckflossen ein 70cm tiefes Loch in den Sand gräbt, es unten seitlich noch aushöhlt und dann grob 100 Eier hineinfallenlässt. Danach wird das Loch wieder zugeschüttet und das Nest „getarnt“, die Schildkröte wandert hin und her und im Kreis und macht überall Spuren im Sand – in diesem Moment weiß sie selbst nicht mehr wo das Nest ist, sie wird auch nicht mehr zum Nest zurückkommen. Die kleinen sind, sobald sie Schlüpfen, vollkommen auf sich alleine gestellt, müssen es erst mal ins Wasser schaffen und dann schwimmen sie drei Tage lang am Stück um möglichst vielen Feinden zu entgehen – dafür reicht ihnen an Nahrung was sie noch aus dem Ei dabei haben.

Gegen Ende Juni geht unsere Saison zu Ende, wir sind dann primär damit beschäftigt Ibex für das Auskranen und die Lagerung an Land vorzubereiten. Da sind wir auch schon mal gut eine Woche inklusive Reinigungs- und Wartungsaktivitäten beschäftigt.