Und wieder ein Paradies

Los Roques Teil 3: Das Archipelago Los Roques

Unsere Geschichte zu den Los Roques hat drei Teile:

Nach unserem Besuch auf Grand Roque geht es hinein in die Inselgruppe. Es erwarten uns kleine unbewohnte Inseln, mit vielen Riffen, untiefen Stellen und Korallenköpfen, die auch gerne mal irgendwohin wachsen.

Überblick auf einer Los Roques Brochure sowie unsere Route im Satellitenbild

Um es nicht zu einfach zu machen, sind die vorhandenen Seekarten zumindest ungenau, an einigen Stellen steht da auch einfach „unsurveyed“ drauf. Es gibt also für diese Stellen und Teilgebiete gar keine Karte. Als Segler verwendet man dann die Seekarten nur als groben Anhaltspunkt, und navigiert auf Sicht. Auf Englisch nennt man das „Eyeball Navigation“, im Unterschied zur GPS oder klassischen Koppel-Navigation. Die Eyeball Navigation funktioniert im Wesentlichen auf Basis der Wasserfarbe anhand derer man die Wassertiefe abschätzt und entscheidet wo man segelt. Im Detail ist es dann etwas komplexer. Erst mal helfen polarisierte Sonnenbrillen die Farbunterschiede besser sichtbar zu machen. Dann hilft eine erhöhte Position so man die Sonne über und hinter sich hat, man muss sich also schon mal vorab überlegen wann man in welchen Ankerplatz aus welcher Richtung hineinsegeln möchte und wo dann die Sonne steht. Die erhöhte Position ist auf einer Segelyacht kein Problem, die einfacher Variante ist die Position am Baum, die hier in den Los Roques völlig ausreicht (es gibt auch Gegenden auf der Welt, wo man besser bis zur ersten Saling den Mast entert). Jetzt gilt dann grundsätzlich: je heller die Wasserfarbe, desto weniger tief das Wasser. Leider beeinflussen aber auch der Meeresboden (zB Gras vs Sand) sowie die Bewölkung die augenscheinliche Wasserfarbe. Was man mal auf die schnelle für eine tiefere Stelle hält, entpuppt ich schon mal als einzelne Wolke die eben drüberzieht.

Da wir diesbzgl. noch nicht so wahnsinnig erfahren ist, wählen wir erst mal einen Ankerplatz, der nicht super schwer anzusteuern ist und gleichen regelmäßig das Gesehene mit der vom Echolot angegebenen Tiefe ab. Reagieren ließe sich auf die Echolot Tiefe im schlimmsten Fall nicht mehr, denn der Sensor sitzt direkt vor dem Kiel, aber zum Lernen und Erfahrung sammeln, geht das gut, so lange man im hinreichend Tiefen Wasser bleibt. Auf diese Art gelangen wir erst mal nach Crasqui und bleiben zwei Nächte. Gewissermaßen können wir nun zum ersten Mal seit der Anreise aus Europa so richtig entspannen. Insofern steht auch nicht viel am Programm: schnorcheln, Strandspaziergänge, schwimmen, lesen … in erster Linie faul sein.

Wir segeln weiter nach Sarqui und besuchen mit dem Dinghy Uisqui, Espenqui und Yonqui. Nachdem man sich an die Namen gewöhnt hat, merkt man sie sich auch. Uisqui ist zum Beispiel eine Miniinsel von ca. 200m2, mit Mini-Sandstrand, wir bringen ein paar Drinks mit und genießen die Abgeschiedenheit. Denn andere Boote oder gar Leute, trifft man so gut wie gar nicht. Während es auf Crasqui noch zwei ganz einfache Posadas (Lodges) für Backcountry Touristen gibt, wohnt auf den zuletzt genannten Inseln gar niemand.

Nach einem für hiesige Verhältnisse langen Schlag von ca 8 Seemeilen steuern wir die Dos Mosquises an. Hier müssen wir unsere Eyeball Navigation Künste dann schon in Echt einsetzen. Die beiden Inseln sind auf einer Seite von einem großen die beiden Inseln verbindenden Hufeisenförmigen Riff mit ca 30cm Wassertiefe umgeben, das reicht für Ibex natürlich nicht. Von der anderen Seite gelangen wir in den durchaus recht tiefen „Pool“ zwischen den Inseln, in dem wir ankern können. An der seichtesten Stelle der Einfahrt messen wir 1m Unter Kiel, durchaus gut, dass wir unsere Ankunft zu Hochwasser geplant haben. Wenn auch die Gezeiten hier nicht groß sind, geben sie uns so ca. 50cm zusätzlichen Puffer.

Die Dos Mosquises waren bereits besiedelt bevor die spanischen Seefahrer die Los Roques für sich entdeckten. Einwohner vom ca. 150km entfernten südamerikanischen Festland kamen saisonal hierher um Fische und Meeresfrüchte wieder mit nach Hause zu nehmen. Ausgrabungen haben gezeigt, dass es hauptsächlich Männer waren, die jeweils die daheim landwirtschaftlich ruhige Saison nutzten um den Speiseplan entsprechend aufzubessern. Die Funde der Ausgrabungen sind leider sämtlich im Museum in Caracas, aber einige überdachte Schautafeln bezeugen noch auf der Südinsel der beiden Dos Mosquises, deren lange Geschichte. Auf dieser leben heute auch 2-3 Männer, die die dortige Wasserschildkröten Aufzuchtstation betreuen. Leider werden diese Tiere, auch wenn sie unter Schutz stehen, nach wie vor gerne verspeist. In der Aufzuchtstation versucht man für ausreichend Nachwuchs zu sorgen um die einheimischen Arten vor dem Aussterben zu bewahren.

Wir segeln weiter nach Cayo de Agua, eine Insel mit Wasserlöchern wie der Name vermuten lässt. Die Ansteuerung gestaltet sich wieder eher trickreich. Wir vertrauen unseren Augen und werden Zeuge, wie daneben die Seekarte ist. Denn wäre es nach der Seekarte gegangen, wären wir über ein Gebiet mit angeblich weniger als 1m Wassertiefe gefahren. Das hätte Ibex nicht so gut gefallen, wenn das gestimmt hätte.

Wir ankern vor einer einzelnen Palme und stellen fest, dass wir direkt neben dem aus unserer Sicht schönsten Schnorchelriff der Inselgruppe liegen. Von Cayo de Agua lässt sich auch zur Nachbarinsel West Cay wandern, bei Niedrigwasser trockenen Fußes über eine Sandbank, bei Hochwasser im Hüfthohen Wasser, das von beiden Seiten auf die Sandbank trifft. In der letzteren Variante wandern wir bis zum Leuchtturm auf West Cay. Dieser sollte den Schiffe, die vom Westen kommen auf die Los Roques treffen zur Orientierung dienen. Da er nicht mehr funktioniert, tut er das entsprechend nicht mehr. Interessant ist, dass dieser Leuchtturm, weit weg von der nächsten Zivilisation aus GfK Teilen vorgefertigt wurde und vor Ort nurmehr aufgestapelt und zusammengeschraubt wurde.

Unsere Zeit auf den Los Roques neigt sich dem Ende zu. Für uns geht es zuerst zurück nach Grand Roque zum Ausklarieren, danach noch für 2 Nächte aufs direkt benachbarte Francisqui. Wir genießen die letzten Schnorchelrunden, Sonnenuntergänge und die Zeit vor Anker, bevor wir nach Bonaire aufbrechen, wohl wissend, dass dort Ankern verboten ist.